Mein Blog

 

4.6.17

Pfingsten ohne Priester

Wieder ein Terroranschlag in Europa. Und wir auf unserer fernen Insel feiern Pfingsten, ein Hochfest und überhaupt das Gründungsjubiläum der Kirche, ohne Priester. Mehr Terror, weniger Geistliche - gibt es da einen Zusammenhang?

Ich lasse diese Vermutung einfach mal so stehen und erzähle von einem Erlebnis neulich im Taxi. Es war kein normales, also zugelassenes, Fahrzeug, sondern eines jener privaten Taxen, die hupend vorbeifahren und sich auf diese Weise bemerkbar machen. Als Fahrgast zahlt man den Bus-Preis - rund 50 Cent - und hat meistens noch eine nette Unterhaltung dabei. Als ich an jenem Mittwochmorgen mein Ziel nenne, betrachtet mich der junge Mann am Steuer neugierig im Rückspiegel und sagt: "Endlich jemand aus Europa, der noch zur Kirche geht!"

Ich bin freudig überrascht über seine Reaktion und frage: "Sind Sie auch Christ?" Nein, er sei Moslem, sagt er und ergänzt, dass ihn die Ungläubigkeit vieler Menschen aus dem Westen nerve. "Gott hat diese Welt mit ihrem Dreck, dem Lärm, den Drogen und der Unzucht einfach satt. Und Er wird sie bald zerstören," ist seine Prognose. Der dunkelhäutige Mann ist keine 25, wirkt nicht aggressiv, eher resigniert. "Beten Sie für uns alle," bittet der Moslem mich Christin, als er schließlich vor dem Kirchenbau hält. Das habe ich getan - und nachher lange noch an diese Begegnung gedacht.

 

 

19.12.16

Wüstenerfahrung anno 2016

Das Wort „Wüstenerfahrung“ hat mich schon vor längerer Zeit gepackt. Es versinnbildlicht so schön die Trockenheit, die Härte mancher Lebensphase, durch die wir hindurch müssen. Da hockt man über Monate oder Jahre in dieser Weite des Ödlands und keine Richtung ist auszumachen, kein Aus-Weg.

Zwischen Dubai und Abu Dhabi durfte ich eine wirkliche, eine reale Wüstenerfahrung erleben. Natürlich ist die Sandlandschaft außerhalb von Disney-Babylon, wie ich ja Dubai nenne, keine echte Wüste mehr, denn hier wird kräftig für die Expo 2020 gebaut. Und doch hat es mich plötzlich hierher verschlagen und mein Blick aus dem Hotel-Zimmer glitt über Tage und Wochen auf diese staubige Ebene. Ich lernte in dieser Zeit: Wenn wir ins Nichts gehen, bekommen wir alles. Wenn wir nur auf Gott vertrauen, führt er uns ins Gelobte Land. Davon erzählt die Bibel an mehreren Stellen. Ich hätte sie öfter zur Hand nehmen sollen.

 

 

10.12.16

Dubai, 13 Jahre später

Dubai hat sich nicht verändert, es ist nur mehr geworden - mehr Gebäude, mehr Strassen, mehr verrückte Architektur. Ja, doch, die Metro ist neu. Alles zusammen genommen ist eine Mischung aus Babylon und Disney-World. Wer mag hier wohnen in diesen Schächtelchen, aus denen die Hochhäuser sich zusammen setzen?

Immerhin weist die Geld- und Gold-Stadt noch einen ganz überraschenden Superlativ auf: Sie verfügt über eine halbe Million Katholiken, es ist wohl die größte katholische Gemeinde der Welt. In St. Mary und St. Francis wird ein kraftvoller Glauben gelebt, am Wochenende von Freitag bis Sonntag sind die Heiligen Messen mit tausenden Menschen gefüllt.

 

 

4.2.16

Mehr Sicherheit beim Knutschen

Nun gibt es die volle Sicherheit auch im Karneval: Die Stadt Köln hat den „Frauen Security Point“ gegen unliebsame Küsse, Grapschereien oder sonstige Belästigungen während der tollen Tage eingerichtet. Zwar lautet das diesjährige Motto, dass Köln auf den Kopf gestellt werden soll, aber bei den Frauen hört der Spaß auf. Denn sie bestimmen ab jetzt nicht nur an Weiberfastnacht, wer wie viel mit ihnen machen darf. Geht’s zu weit, kann man zum Bauwagen für schutzsuchende Frauen am Dom rennen und sich beraten lassen. War der Typ beim Schunkeln eine Armlänge zu nahe? Hatte er zu viel Knoblauch gegessen und wollte nun küssen? Verweigerte er sich vielleicht sogar Knutschereien? Es sind ernsthafte Probleme, die dieser Tage Seelsorger und Psychologen beschäftigen dürfen – Kölle alaaf!

 

 

18.1.16

Unser Kuschelhund fliegt Business

Kinder lassen oft Sachen irgendwo liegen und wenn der Verlust entdeckt wird, fließen dicke Tränen. So geschehen mit unserem zauseligen Kuschelhund Philipp, der schon der Liebling meines jetzt erwachsenen Sohnes war und den meine Tochter glückselig übernommen hat. Wie gesagt, Philipp ist schon fast 18 und vom vielen Drücken, drauf schlafen und geküßt werden ziemlich mitgenommen. Aber immer noch sehr süss. Als er neulich im "Bluesky B&B" in Kapstapt liegen blieb, war meine Tochter untröstlich. Dann nahm ein lieber anderer Gast den Kuschelhund an sich und bot ihm auf dem Rückflug sogar einen eigenen Platz in der Business-Class von Lufthansa an. Fotobeweise zeigen Philipp sehr stolz und angeschnallt auf seinem Sitz - er soll auch ein eigenes Kindermenü bekommen haben... Bei Minusgraden hockt er jetzt in Deutschland und wartet auf unsere Rückkehr. Hoffentlich will er noch zu uns zurück, wo er doch jetzt eine Art Jetsetter geworden ist!

 

 

24.12.15

The world never sleeps

Eigentlich sollte ab diesem Tage die Welt ein wenig innehalten, stiller werden und all die Wünsche wahr werden, welche sich die Menschen auf Millionen von Weihnachtskarten zusenden. Worte wie „besinnlich“ und „ruhig“ und „gesegnet“. Nur drei kurze Tage lang. Stattdessen erfahre ich, dass am Heiligen Abend hier die Shops, Beautysalons, Supermärkte und alles andere auch, was zum spaßigen Dasein gehört, geöffnet hat und mit laut dröhnender Musik unterlegt ist.

Ein kleines Kind, welches der All-mächtige ist, wird zu seinem Geburtstag von vielen Menschen übersehen, vom Sound übertönt, hinterm Kaufrausch vergessen. Immerhin: Im jüdischen Supermarkt, wo ich noch einige Kleinigkeiten zum Essen besorge, wird ein künstlicher, weiß besprühter Tannenbaum mit roten Kugeln angeboten. Ich stutze und frage, ob es den hier zu kaufen gibt? Ja, klar, ist die Antwort. Wenigstens die Juden haben unseren Heiland am 24.12. nicht vergessen...

 

 

9.12.15

Der Mann mit dem Kreuz

„Schau mal, Mama, da ist ja Jesus,“ ruft meine Tochter und deutet auf einen Mann, der am Straßenrand geht und ein geschultertes, großes Kreuz hinter sich herzieht. Es ist unser dritter Tag in Kapstadt und noch 15 Tage bis Weihnachten. Im Vorbeifahren bemerke ich, dass der südafrikanische Christus sich seine Last etwas erleichtert hat, indem er das Kreuz unten mit einem Rad versehen hat, so dass es sich rollen lässt. Ist das die moderne Form für den Weg nach Golgatha? Ich bin irritiert und erkundige mich beim Taxifahrer. Der weiß nur zu erzählen, dass er den Mann bereits vor sieben Jahren schon einmal gesehen hat, als er begann in Kapstadt Taxi zu fahren. Und weiter, dass hier am Cap die Runde geht, dass diese Gestalt mit dem Kreuz Tag für Tag die Straßen durchläuft. Unaufhörlich. Handelt es sich um einen Irren, einen Büßer, einen Heiligen? Es lässt mir keine Ruhe. Nun frage ich jeden, dem ich begegne, ob ihm dieser Mann schon einmal aufgefallen sei. Taxifahrer, Freunde, Fremde. Manche haben ihn noch nie, andere nur einmal gesehen. Niemandem ist er bislang mehrmals begegnet, keiner kennt ihn oder seine Identität. Ich werde nicht locker lassen, ich suche weiter. Bald ist Weihnachten.

 

 

29.10.15

Heilige Neger

Ich lebe auf einer Insel, die den Namen des ersten Heiligen mit schwarzer Hautfarbe trägt – des heiligen Mauritius. Das älteste Kloster auf abendländischem Boden ist nach ihm benannt und führte bislang ein Dornröschen-Dasein im schweizerischen Wallis. Denn die Abtei Saint-Maurice aus dem 6. Jhdt. blieb in ihren 1500 Jahren vom Glaubens-Tourismus weitgehend verschont und soll hauptsächlich nur von Kaisern und Königen, Päpsten und Bischöfen besucht worden sein.

Als ich das eben las habe ich Herzklopfen bekommen, hier auf Mauritius, denn ich wußte schon, dass Otto der Große einen Teil der Mauritius-Reliquien im 10. Jahrhundert nach Magdeburg, also in die anhaltinische Heimat meiner Vorfahren gebracht hat. Dort steht die Statue dieses nordafrikanischen Negers im Dom, umgeben von der ostdeutschen Wüste des Unglaubens. Wie oft ihn wohl irgendwelche Urahnen von mir betrachtet haben und von diesem Eiland im Indischen Ozeans nichts ahnten... Und ich sitze in diesen unruhigen Zeiten auf Mauritius und schaue umgekehrt auf Europa und mache mir Gedanken über die vielen Nordafrikaner, die derzeit zu Tausenden in meine Heimat ziehen. Eines ist gewiß: Einer von ihnen wurde einst ein Heiliger.

 

 

24.10.15

Hidden message

Für einen Reichen in Europa kommt ein Flüchtling. Schon mal daran gedacht?

Reich bedeutet hier: Nicht von der Hand in den Mund leben zu müssen, ein Dach überm Kopf zu haben, und sich den Luxus leisten zu können zu überlegen, ob man im Winter Ski-Urlaub macht oder lieber in die Sonne reist. Von diesen Menschen gibt es bei uns viele, sehr viele - und wenn meine Überlegung stimmt, dann werden es viele, sehr viele Flüchtlinge sein, die noch zu uns strömen werden.

Das Band der Heimatlosen, die Kinder und Koffer auf Schultern und Armen tragen, scheint sich also endlos fortzusetzen. Fast mutet es überwirklich an: Als habe jemand an einem unbekannten Ort ein Tor geöffnet, durch das diese Menschen von wo aus auch immer zu uns kommen. Sie zeigen uns durch ihren verzweifelten Marsch, was wir bislang nicht wahrnehmen wollten - nämlich wie gut es uns geht.

Selbst, wenn wir unsere Grenzen dicht machten, um unseren Wohlstand zu erhalten, würde das nichts nützen. Die 'hidden message' ist doch umzudenken und wenn wir das - Verteilungsquote hin oder her - nicht verstehen wollen, wird sich diese Auffoderung auf anderem Wege Bahn brechen. Wir sollten auf weitere Überraschungen gefasst sein.

 

 

17.9.15

Heimweh nach meinem alten Europa

Es ist ein Gefühl, das ich lange schon nicht mehr kannte und das so schön altmodisch klingt: Heimweh. Ich empfinde es gerade jetzt, wenn ich in den BBC-Nachrichten die Flüchtlingsströme sehe, die quer über den Kontinent ziehen mit dem Sehnsuchtsziel Deutschland. Fern in Afrika fühle ich mit und fühle doch anders. Mein Sehnen richtet sich nicht auf Wohlstand und Sicherheit, sondern auf das Alte und Vergangene dieses Kontinents. Das wird es so nicht mehr geben.

Wir haben Wohnung, Familie, Freunde, Schule, Umgebung verlassen noch bevor die anderen zu uns kamen - in großem Maße kamen. Doch ein Abschied lag bereits in der Luft. Der Abschied von einer alten Epoche, zu der die falsche Annahme gehörte, dass dieser Kontinent mit seinem Frieden und seinen Annehmlichkeiten auf ewig uns alleine gehört. Ein Trugbild, das seit geraumer Zeit schon Risse zeigte.

Das neue Euopa wird vielleicht ein jüngeres, dynamischeres, frischeres Gesicht erhalten. Aber es wird anders sein - darauf sollten wir uns Europäer alle einstellen. Heimweh zurück habe ich trotzdem.

 

 

17.8.15

Erst Maria, dann Allah

Wir fliegen zum ersten Mal mit Emirates gen Afrika. Mit Zwischenstopp in der Hauptstadt der Dekadenz, Dubai. Um Mitternacht erobern wir den goldglitzernden Flughafen, kurz zuvor sind wir nahe an Syrien vorbei geflogen, wo Krieg herrscht. Die Welt ist pervers.

Auf dem Weiterflug bete ich den Rosenkranz im Vorraum des Cockpits, denn hier kann ich ein wenig auf und ab laufen. Kaum eine Stunde später rollt ein Moslem nach dem anderen sein Tuch exakt an derselben Stelle am Boden aus und beginnt vor Allah in die Knie zu gehen. Hätten die Muselmänner diesen Platz auch gewählt, wenn sie gewusst hätten, dass die große, blonde Frau kurz zuvor dort still zur Muttergottes gebetet hat? Ladies first... Ich amüsiere mich köstlich bei diesem Gedanken.

 

 

7.6.15

Fromm ist sexy

Oh Gott, darf ich hier laut aussprechen, was ich neulich einem Freund mitgeteilt habe? Nachdem ich ihm einige Auszüge eines Interviews mit Gloria TuT zugemailt hatte, in welchen sie sich auch hinsichtlich des katholischen Glaubens (der Pannenservice, der uns durchs Leben begleitet) äußert, ging mir durch den Kopf: Frömmigkeit hat mehr Sex-Appeal als jeder Waschbrettbauch. Und damit meine ich: Spiritualität – natürlich außerhalb irgendwelcher Esoterik – hat mehr Wirkung auf mich als das beste Aussehen eines Menschen. Zumal das künstlich antrainierte bzw. operierte Äußere. Das, worauf es heutzutage zumeist ankommt. Alles Bullshit verglichen mit einer guten Geistigkeit, einer echten Frömmigkeit! Obgleich gerade das Wort „fromm“ total aus der Mode gekommen ist. Macht nichts, fromm ist „in“, zumindest bei mir.

 

 

31.5.15

Wie? Wo? Warum?

Ich stehe zum Zeitvertreib vor einem Regal mit Zeitschriften und Magazinen, von deren Cover mir lauter Fragen entgegen leuchten. In jeder Titel- oder Unterzeile ein Fragewort oder ein Satz, der von einem Fragezeichen gekrönt ist.

Augenscheinlich leben wir in einer Medienwelt, die sich zwar selbstsicher gibt, aber dann doch in Frage stellt, was sie an Geschichten den Lesern verkauft. So kann man wohl weniger belangt werden, wenn sich etwas mal nicht als richtig erweist. Etwa wie die schnellere Diät funktioniert oder warum Männer besser einparken. Themen, auf die soundso keiner eine Antwort weiß. Und hier meine Frage dazu: Lohnt es sich denn, über so etwas überhaupt zu schreiben?

 

 

12.5.15

Tiere auf 2 Beinen

Es ist einer meiner letzten Besuche in Berlin, der Anlass: die re:publica. Ich wohne in einem Design-Hotel in Mitte, blicke auf dicht befahrene Fahrbahnen, Baustellen, den U-Bahn-Eingang Spittelmarkt, die Hochhäuser gegenüber und frage mich, was ich hier eigentlich will. Früher war ich gerne und oft in der Hauptstadt, vor der Wende, nach der Wende und später 2005. Berlin war immer hipp, jetzt ist es weltweit sogar die Nr.3 der beliebtesten Städte nach N.Y. und London. Doch der junge türkische Taxifahrer, der mich zum Flughafen fährt, schimpft. Zu viele Ausländer, zu viel Gewalt, zu viele Drogen. Am schlimmsten seien "die Tiere auf 2 Beinen", die müsste man sofort wieder wegschicken. Was bitte? Er lacht und belehrt mich, dass bei Berliner Türken mit "Tieren auf 2 Beinen" Neger gemeint seien (Neger sagt man zwar auch nicht, aber immerhin wird es verstanden). Ich denke: Dieser Zoo ist nicht mehr meine Welt und freue mich wieder auf Afrika, wo ganz viele Tiere auf 2 Beinen herum laufen.

 

 

15.2.15

Shalom!

Rabbi Yaakov ist der erste Rabbiner, mit dem ich von Angesicht zu Angesicht spreche - d.h. ganz so persönlich ist es gar nicht, da wir nur miteinander skypen von Zeit zu Zeit. Eine Neu-Katholikin in Afrika und ein zum Judentum konvertierter Protestant in Amerika. Yaakov hat mir eines seiner selbst aufgenommenen Lieder geschickt und seine Musik erinnert an "The Doors". Ein herrlicher Sound, der nostalgisch stimmt. Gestern fragte er mich, wie ich die Situation in Europa einschätze und beide kamen wir überein, dass die Lage alarmierend ist. Wenige Stunden später dann der Anschlag eines Einzeltäters auf eine Synagoge in Kopenhagen. Ich rufe Yaakov bald wieder an. Ganz besonders mag ich übrigens seinen Vornamen. Denn Jakob wurde Israel.

 

 

 

7.12.14

Fromme Männer und ihre Bond-Girls

Die Nachricht, dass Monica Bellucci das nächste Bond-Girl wird, dürfte den emeritierten Erzbischof von Köln, Joachim Meisner, gefreut haben. Denn mit der 50jährigen italienischen Filmschauspielerin kommen die Bond-Damen dem bekennenden 007-Fan Meisner nun altersmäßig näher. Dass gerade fromme Männer die verschlungenen Stories, wilden Verfolgungsjagden und eben auch die Damenwelt im wohl berühmtesten Spionagestreifen dieser Welt schätzen, ist vielleicht überraschend, aber gar nicht so selten. Bei einem meiner Besuche auf seinem Anwesen am Starnberger See outete sich der bereits verstorbene Otto von Habsburg – immerhin Sohn des selig gesprochenen Kaiser Karl I. von Österreich – ebenfalls als leidenschaftlicher Bond-Fan. Bei diesem Geständnis des sonst so sanftmütig anmutenden Aristokraten verschlug es mir etwas die Sprache. Doch konnte ich mir etwas später nicht verkneifen zu fragen, welche der attraktiven  Darstellerinnen Seiner Kaiserlichen Hoheit denn besonders gefallen habe. Darauf blieb er mir dann eine Antwort schuldig. Aber auch Benedikt XVI. schwärmt für blondgelockte Hollywood-Schönheiten. Ihm hat es besonders Farrah Fawcett aus „Drei Engel für Charlie“ angetan – ein Streifen aus den 1980er Jahren, wo es keineswegs um Erzengel, sondern um drei clevere Privatdetektivinnen geht. Was diese Vorliebe für mysteriöse Fälle und Beauties über den Menschen aussagt, möge sich jeder selber beantworten..

Wer mehr solcher Nachrichten lesen möchte, ist eingeladen meinen neuen Blog zu besuchen: http://katholischmalanders.wordpress.com

Ich freue mich über jeden, der rechts unten auf der Seite den Button "Folgen" anklickt und sich sodann benachrichtigen lässt.

 

 

4.12.14

Bei Ling

Den chinesischen Autor und Gründer des chinesischen PEN lernte ich vergangene Woche auf der Gala des deutschen PEN-Zentrums in Hamburg kennen. Er zeigte mir sogleich die von ihm verfasste Biografie über seinen Freund Liu Xiaobo, Friedensnobelpreisträger von 2010, und spontan lud ich Bei Ling zu uns nach Hause ein. Also war gestern ein wenig China bei uns im Wohnzimmer: Auf der von den Kindern geschmückten Tafel packte Bei Ling zunächst ein fingerhutgroßes Teekännchen mit noch winzigeren Tassen aus, schenkte uns daraus Tee ein und kochte dann im Wok verschiedene Gemüse zu einem herrlichen Essen. Dabei erfuhr ich: Es ist gesund, zweimal in der Woche in heißen Quellen zu sitzen, niemals im Pool (Chemie!), sondern nur in Flüssen und im Meer zu schwimmen und außerdem, dass auch Literatur Religion sein kann. Bisher wusste ich das nur von Opium. Bei Ling, der Paul Celan verehrt, schreibt selber auch Gedichte und erinnert mich an einen Gelehrten aus der Han-Dynastie - äußerlich sozusagen ein Bruder von Konfuzius. Sein schönes volles Haupthaar trug er allerdings zu einem Knoten auf den Hinterkopf gebunden. Das nächste Mal sind wir in Taiwan, seiner Exil-Heimat, verabredet.

.

 

 

5.10.14

Gotteskrieger und Gottes fehlende Diener

Der deutschstämmige IS-Gotteskrieger aus Kempten (ein Dutzend Kirchen, 3 Moscheen) macht im Interview mit dem SZ-Magazin aus seiner Verwunderung über die Haltung der Deutschen keinen Hehl: "Von diesen Andersgläubigen hätte ich mir mehr Kritik erwartet. Aber die waren toleranter als die Muslime. Aus allein drei Moscheegemeinden in Kempten haben sie mich und meine Freunde rausgeschmissen. Die wollten uns nicht dort haben." (Ausgabe 40/14)

Gibt es dem noch etwas hinzuzufügen, wenn wir uns hier in der westlichen Welt fragen, warum der fanatische Islam so erstarken und grausam wirken kann, und selbst unsere Waffen nichts auszurichten scheinen? Wenn wir ehrlich wären, müssten wir zugeben, dass unsere Waffen stumpf bleiben solange sie nicht mit dem richtigen Geist dahinter geführt werden. Pater Alexander Ultsch brachte es in seiner aufrüttelnden Predigt am vergangenen Samstag in St. Maria in der Kupfergasse auf den Punkt: „Der Radikal-Islam tritt auf als Alternative und sucht Boden zu gewinnen im geistig-religiösen Ödland westlicher Staaten, die immer noch auf ihren Fahnen das liberalistische Allerweltsdogma stehen haben vom Reich der Freiheit für jedermann.“

Wir verteufeln diese Extremisten, merken aber nicht, dass wir durch unsere Haltung, Lebens-Art, Übersättigung und durch unseren Unglauben, verbunden mit hilfloser Ängstlichkeit, zu Steigbügelhaltern dieser Krieger werden, die darauf aus sind uns zu überrennen. Vielleicht kann jeder einmal kurz innehalten und überlegen, welches persönliche Zeichen er setzen kann und möchte, um diesem Angriff auf das christliche Abendland zu begegnen. Das muss ja nichts Heroisches sein, aber wir sollten uns bewusst machen, dass dies alles nicht ohne unser passives Einverständnis im geistigen Sinne geschehen kann.

 

 

 

14.9.14

Familientag

Alle zwei Jahre haben wir Familientag. Diesmal mit Rekord-Quote: 160 x Krosigks bzw. solche, die Krosigk'sches Blut noch in sich, aber einen anderen Namen tragen (sogenannte ausgeheiratete Töchter und Cousinen mit ihren Familien). An so einem Wochenende guckt man also mindestens 100 x genau hin und denkt: Aha, auch ein Stück von mir. Umgekehrt schauen auch die anderen einen an und wundern sich über die Verwandtschaft. Eine interessante und liebenswerte Studie, die ich nun schon seit 35 Jahre betreibe und sicher – unregelmäßig – noch bis zum Lebensende. Man ist mit einer gewissen Anzahl von Gleichaltrigen erwachsen geworden, zu Eltern gereift, nun wird man zusammen alt. Eine ähnliche Erfahrung kann man wohl nur in kleinen, abgeschlossenen Ortschaften machen, aus denen niemand verschwindet. Doch das gibt es ja heute kaum noch. Schöne Idee also: Die Groß-Familie ist der Ort, der auf keiner Landkarte existiert, dem wir uns jedoch zugehörig fühlen. Wo immer er auch liegt.

 

 

 

19.8.14

LOVE can move mountains

Wow! Was für ein Satz!

Er stammt natürlich nicht von mir, sonst würde ich meiner Begeisterung nicht so Ausdruck verleihen. Richard hat ihn mir geschrieben, ein Mörder, von dem ich in diesem Blog schon einmal erzählt habe. Ein Mensch in der Todeszelle. Ein Todgeweihter. Einer, der nichts mehr besitzt und dessen Zelle sein Universum ist.

Er hat das zu mir in einer für mich wichtigen Sache gesagt.

Denn es ist das einzige, was zählt.

Nicht für ihn, nicht für mich allein, sondern für uns alle.

 

 

1.8.14

Die Madonna ohne Hände...

… wäre ein interessanter Film-Titel, ist aber traurige Realität in Form einer etwa 40 Zentimeter hohen porzellanenen Figur, die sich in St. Helena, einem Kirchlein im Südtiroler Eggental, befindet. Lieblos abgestellt in einer halbdunklen, staubigen Fensternische im Aufgang zum Glockenturm, weil ihr die Hände und der Nasenrücken fehlen. Die Verstümmelungen tun ihrer Schönheit jedoch keinen Abbruch, das Gesicht ist noch immer vollkommen in seiner Anmut.

Dennoch symbolisiert die kleine Statue gerade in diesen Tagen – in welchen sich weltweit ein aggressiver Fokus auf alles Religiöse richtet – den Wahnsinn von Hass und Zerstörung gegenüber Glaubensdingen. Und gleichzeitig dessen Machtlosigkeit.

Marias Arme sind zwar nur noch Stumpen, aber ihre Haltung lässt deutlich erkennen, dass die fehlenden Hände einst betend gen Himmel wiesen. Sie ihr zu nehmen mag für den "Täter" ein Akt der Genugtuung gewesen sein, ähnlich dem, Christen in einigen Ländern zu stigmatisieren und zu vertreiben oder neuerdings gegen Juden auf Europas Straßen zu hetzen. Es ändert aber wahrscheinlich nichts an der (inneren) Haltung der malträtierten Menschen und es fordert uns umso mehr auf, ebenfalls Haltung zu zeigen. Für den Glauben. Egal, ob wir dies mit gefalteten Händen tun oder ohne.

.

 

29.7.14

Das Leben - eine Payback-Karte

Bei fast jedem Einkauf werde ich inzwischen gefragt: „Haben Sie eine Payback-Karte?“ Nein, sorry, habe ich bislang nicht. Ich sammele auch keine Treue-Punkte oder gehöre sonst wie einem Rabattsystem an. Ein Fehler? Schließlich könnte ich mich doch irgendwann schöner Begünstigungen erfreuen. Neulich erreichte mich das Angebot meiner Krankenversicherung, dass ich fast zweitausend Euro zurück erhalte, wenn ich die Vorsorge-Untersuchungen meiner Tochter bei diversen Ärzten und sogar ihre Teilnahme an bestimmten Sport-Programmen bis zum Jahr 2023 abstempeln lasse.

Mir wird schwindelig. Mein ganzes Leben als Payback-Karte, das sich irgendwann in barer Münze auszahlt... Hört sich das nicht wie in einer dunklen Sage an, wo zum Schluss die Goldmünzen im Säckel klingeln, für die man sich aber letztlich nichts kaufen kann? Die Zeit ist weg, die man für das Ausfüllen von Formularen, das Ordern von Karten, Listen und Vordrucken, das Abstempeln und Verschicken all dieser Dokumente hergegeben hat. Stunden, in denen man besser eine Sommerwiese mit Klatschmohn, Schafgarbe, Ackerwinde und wilden Margaritten betrachtet hätte.

 

 

22.7.14

Wenn Gott dement ist

Ich sitze im Kloster Schwester G. gegenüber und aus ihren schönen braunen Augen lasert sich ein Blick in meine Seele. Es passiert mir selten, dass ich dem nicht standhalten kann. Und es ist deshalb umso erstaunlicher, dass wir auch in unserem Gespräch auf das Wesentliche hinter einem Augenausdruck zu sprechen kommen. Schwester G. erzählt mir nämlich von ihren dementen Mit-Schwestern, aus deren Augen hin und wieder eine solch göttliche Klarheit blitzt, dass sie jedes Mal ganz verwundert darüber ist.

Verbirgt sich also der all-mächtige Gott – gerade weil er uns so unvorstellbar überlegen ist - besonders in dementen, kranken, hilflosen Menschen? Wir sollten einmal darüber nachdenken und gerade bei Bedürftigen und Kranken genauer hinschauen.

 

 

12.5.14

Abgesang auf Europa

Auf die alpenrepublikanische Dame mit Bart bin ich erst richtig durch Alexander v. Schönburgs „Bild“-Artikel aufmerksam geworden. Vorher hatte mir meine Tochter irgendetwas von einer Wurst erzählt, die sie im Fernsehen bei Großmuttern gesehen hatte, und ich - nicht richtig bei der Sache - hatte eine Beefy-Mini-Salami-Reklame vor Augen. Zugegeben: Vom Gehalt nicht weit entfernt vom ESC.

Nun also Alexanders kluger, nachdenklicher Beitrag darüber, wo wir (West-) Europäer inzwischen gelandet sind. Ein Auszug: „Wie allumfassend der Siegeszug des liberalen Europas ist, zeigt sich auch darin, dass der Siegersong keine Ulknummer à la Guido Horn sondern solider, konservativer Retro-Kitsch ist. Das bedeutet nämlich: Typen wie Conchita Wurst sind in unserer Gesellschaft nicht einmal mehr Exoten, sie gehören inzwischen zum Mainstream.“ Genau! Wir fühlen uns in unserem normalen Leben inzwischen so frei und locker und unangepasst wie früher die Blumenkinder während ihrer Trips nach Kalifornien oder sonst wohin, was dazu führt, dass wir immer mehr vergessen, wer wir eigentlich sind: „In Berlin wird darüber nachgedacht, öffentliche Toiletten Schritt für Schritt umbauen zu lassen, damit Menschen, die sich nicht der klassischen Kategorisierung unterwerfen wollen, künftig ihr eigenes stilles Örtchen zur Verfügung steht.“ (A. Schönburg) Was kommt jetzt noch nach der singenden Wurst und dem geschlechtslosen Klo? Der Toleranz für Abgeschmacktes sind keine Grenzen gesetzt.

 

 

17.4.14

Ein Fisch in der Karwoche

Ostern. Beziehungsweise kurz davor, wir sind in der Karwoche. Die Fastenzeit ist fast wieder geschafft. Am Palmsonntag gehe ich mit meiner Tochter zum Palmstockbinden in die Kirche unserer Gemeinde. Sie liegt sehr idyllisch in einem großen Garten, der  am Ende der Straße in einen Park überwechselt. Die Kastanien blühen, die bunten Schleifen an den Palmbüscheln wehen im noch leicht kühlen Wind. Wir bibbern etwas bei den ersten Liedern der Messe draußen und sind dann froh, als es im Innern der Kirche weitergeht. Ohnehin habe ich an diesem Morgen Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit, dennoch will ich mich nicht vor dem Gottesdienst drücken.

Als wir später durch das ruhige Villenviertel spazieren, liegt vor uns auf dem Bürgersteig ein Fisch. "Wie kommt der denn dahin?" fragt meine Tochter. Die Frage ist berechtigt, denn es ist kein gewöhnlicher Speisefisch, sondern ein wunderschönes, rot-gold schimmerndes Tier dort in der Sonne, unverletzt und so frisch und fest, als sei es gerade aus dem Teich des Tokyoer Kaiserpalastes gefischt und an dieser Stelle in Köln abgelegt worden. Das tote Auge glotzt uns an. Meiner Tochter ist dieser Fund nicht geheuer. Aber ich beruhige sie. Ein Fisch in der Karwoche ist etwas ganz besonderes.

 

 

26.12.13

Im jährlichen Niemandsland

Die Zeit zwischen den Jahren - also vom 27. bis 31. Dezember - ist mit die schönste im ganzen Jahr. Denn es ist eine zeitlose Zeit, quasi das Niemandsland im Kalender. Das Weihnachtsfest mit seiner Dichte an Ritualen, hohen Gefühlen und Verpflichtungen ist vorüber und Silvester mit den so typischen Erwartungen und Wünschen kommt langsam näher. Aber damit verbunden ist kein "muss" - es steht einem frei den Jahreswechsel mit vielen oder nur mit wenigen, ausgesuchten Menschen zu verbringen. Und dazwischen... sind diese Tage des Ausatmens, der Stille, des mit-sich-selbst-seins. Vielleicht stöbert man nur in Büchern, geht durch die kahlen Parkanlagen spazieren oder wagt eine Rückschau auf die wie auch immer gemeisterten zwölf Monate des "alten" Jahres. Wem diesess zu schnell vergangen ist, der kann jetzt die letzten Tage so verbringen, wie er es sich fürs gesamte Jahr gewünscht hätte.

 

 

12.10.13

Coelhos große Abbitte

Ich weiß nicht, wann ich zuletzt ein Buch von Paulo Coelho gelesen habe. Es muss Jahrzehnte her sein, aber ich erinnere mich, wie enttäuscht ich war. Coelho bläst Binsenweisheiten zu Geschichten auf, doch anscheinend geschickt genug, um sie einem Millionenpublikum als spirituelle Lebensführer zu verkaufen.

Auf meiner Rückreise von Hongkong stolperte ich im Bordmagazin nun über ein Interview mit ihm und las es zunächst recht desinteressiert. Bis ich zur letzten Frage gelangte, die lautete: Stimmt es, dass sie mal zwei Jahre durch die Welt gereist sind, um sich bei jedem Menschen zu entschuldigen, den Sie in ihrem Leben verletzt haben? Coelho bejahte und fügte an: „Ich halte es für wichtig, um Vergebung zu bitten, das heisst ja nicht, dass man alles, was vorgefallen ist, vergisst.“

Das fand ich dann doch eine großartige Idee und eine bewundernswerte Tat all jene aufzusuchen, die man einst verletzt hat. Es würde mich interessieren, wie die einzelnen Menschen auf diese Abbitte reagiert haben. Leider hat Coelho dies literarisch – so weit ich weiss – noch nicht verarbeitet, es hätte aber das Zeug sein bestes Buch zu werden.

 

 

 

15.9.13

Deus caritas est

Es ist schier unglaublich, wie fein-sinnig, zart und verletzlich die Welt und Atmosphäre ist, innerhalb derer wir uns bewegen. Macht man sich dies klar, kann man kaum begreifen, wie angefüllt die Welt andererseits mit Lärm, Krach und Brutalität ist und wie sie sich sodann im Laufe der Zeit aufgeladen hat mit Schreien, Verzweiflung und Kampf. Die Geräusche, Emotionen, Taten aller Zeiten... Das alles schwirrt unablässig um uns herum, verwirrt uns und stumpft uns ab. Und dann müssen wir uns weiterhin klar werden, dass das einzige Mittel gegen unsere Verzweiflung über diesen Zustand die selbstlose Liebe ist. Würden wir sie alle gleichzeitig in einem Moment leben können, so wäre alles Störende und Zerstörerische mit einem Mal verschwunden. Auch das der Vergangenheit – wie wegradiert. Aber diese selbstlose Liebe schaffen wir nicht einmal mit den uns nächsten Menschen, weil uns doch die leise Furcht bewegt, dass wir mehr geben könnten als wir jemals zurückbekommen. Der Egoismus macht uns blind dafür, dass wir in Wahrheit immer genau das erhalten, was wir auch geben. Und meistens sogar mehr.

 


 

5.7.13

Theologie des Leibes

Beim Älterwerden erkennt man, wie mühselig und überflüssig es ist, am 'status quo' des eigenen Körpers festzuhalten. Er verändert sich immer rascher hin zum Verfall, kleine kosmetische Ausbesserungen sind nützlich für einen Moment, aber in Wahrheit wie Pflaster bei einer Total-Amputation. Dahinter steckt eine einzige Absicht: Wir sollen im Laufe unseres Lebens dem Fleisch und der Materie überdrüssig werden, um mehr und mehr dem Geistigen Platz zu machen. Im Grunde eine wunderbare Idee, damit wir leicht von der hiesigen Welt in die andere hinüberwechseln können, aber die körperliche Brüchigkeit bleibt doch für viele Menschen eine große Bürde.

Wer also traurig darüber ist oder Schwierigkeiten hat dies zu verstehen, dem sei ein Buch empfohlen: “Eine Theologie des Leibes” von Johannes Paul II. Aber ACHTUNG – das ist keine leichte Kost im Sinne einer netten Auslegung der Absichten vom lieben Gott. Bei dieser Lektüre müssen wir Abstriche machen bei dem, was uns liebgewordene “moderne” Ansichten sind hinsichtlich Geschlechtlichkeit, Ehe, Keuschheit. Die Katechesen des früheren Papstes führen uns vielmehr zurück zum Ursprung – warum wir eingeteilt sind in Mann und Frau, was Reinheit in Bezug auf den Körper bedeutet und was die “Sprache des Leibes” ist. Große Denkanstöße, die man nur in geringen Portionen genießen kann.

PS: Mein Buch zum jetzigen Papst gibt es nun endlich auch auf Englisch: Pope Francis – Interesting, amusing and moving anecdotes about the Pontifax from South America (ISBN: 978-3-639-83612-7)

.

 

22.5.13

Schmerzen und Sexualität

Nein, ich schreibe hier nicht über Sado-Maso-Techniken, auch wenn der Titel das nahelegen mag. Denn es sind die früh erfahrenen seelischen Schmerzen, die uns bei unserer späteren Partnerwahl leiten – viel mehr, als wir für möglich halten. Und sie laufen viel intuitiver und „muster“mäßiger ab, als wir uns eingestehen möchten. Das hat uns gestern in kleinem Kreis die Kölner Sexual- und Paartherapeutin Andrea Schaal so eindringlich wie lebhaft erläutert, so dass zwischendurch in unserem Wohnzimmer eine Stille herrschte, als warteten wir wie die Kinder auf die Geburtstagsüberraschung. Und die kam in Form von Erinnerungen, die klar machten, warum ich mich lebenslang in bestimmten Situationen so oder so verhalten habe, warum ich diesen und nicht einen anderen Menschen für mich auswählte, warum Sexualität unbedingt wichtig für mich ist oder vielleicht auch nicht. Ein aufschlussreiches Puzzlespiel, das ich nur jedem empfehlen kann – besonders Paaren, die im Prozess des Kennenlernens sind und vorab mehr über sich und den anderen wissen wollen.

 

 

18.4.13

Liebe Connie Palmen,

schauen Sie doch mal nach oben. Das meine ich ganz wörtlich.

Denn zum zweiten Mal in Ihrem Leben ist Ihnen Ihr geliebter Lebenspartner abhanden gekommen. Nicht durch Trennung, Scheidung, eine jüngere Frau oder Überdruss aneinander, sondern durch den Tod. Und zum zweiten Mal haben Sie über diesen Verlust ein Buch geschrieben – ihr erstes, „I.M.“, habe ich vor neun Jahren mit Feuer gelesen, ich habe es wirklich verschlungen und war hingerissen davon. Eine solche Wahnsinns-Liebe zwischen Mann und Frau ist selten und Sie haben diesen vier Jahre währenden Ausnahmezustand wunderbar erzählt, durchgefetzt und analysiert. Danach, so denkt man als Leser, kann eigentlich nichts und niemand mehr kommen.

Und doch - Sie haben nach I.M. einen neuen Lebenspartner gefunden. Gefreut habe ich mich für Sie, denn das Leben ging nach dem großen Schmerz für Sie weiter.

Nun war ich gestern in Düsseldorf bei Ihrer Lesung, wo Sie in dem gerade erschienenen Buch den Tod des zweiten Mannes, des Politikers Hans van Mierlo, schildern. Ich kenne diesen Herrn nicht, aber so, wie Sie seine schöne gebräunte Haut und seinen sinnlichen Mund beschrieben und die Art, wie Sie beide sich körperlich liebten, dachte ich prompt an den jungen Curd Jürgens – lernte dann jedoch im Laufe des Abends, dass es sich um einen fast 80jährigen Elder Statesman handelte.

Liebe Connie Palmen, natürlich ist jeder Abschied entsetzlich traurig und reißt Wunden. Aber in diesem Buch drehen Sie sich nur noch um sich selbst und sind einfach larmoyant. Ja, es bringt Ihnen jetzt niemand mehr Ihr Rührei und den Toast morgens ans Bett – aber sie können auf elf Jahre zurückblicken, wo Sie diesen Luxus hatten. Und überhaupt das Glück, einen solchen Mann gefunden zu haben. Dass vielen anderen Menschen so etwas nicht passiert, schon gar nicht zwei Mal im Leben, darüber sollten Sie jetzt weinen.

 

 

17.4.13

Halleluja zwischen REWE und Kindergeburtstag

Jetzt in der Osterzeit, so hat mir mein Beichtvater ans Herz gelegt, möge ich doch statt des Angelus-Gebetes das „Regina Coeli“ in der Mittagszeit beten. Da ich noch längst nicht firm bin in allem, musste ich mir dieses Stundengebet zunächst aus dem Internet ausdrucken und gewöhne mich erst allmählich daran, in meiner alltäglichen Wohnsituation und ganz alleine mindestens sechsmal dabei laut „Halleluja“ zu sagen. Zugegeben, es läuft noch nicht ganz rund. Besonders, wenn einem noch andere, meist dumme alltägliche Dinge durch den Kopf schwirren. Eben noch habe ich im Supermarkt gestanden und mir krampfhaft überlegt, was bei den Einkäufen fehlt oder mit welchem Geschenk ich das nächste Geburtstagskind glücklich machen kann – um dann, zu Hause angekommen, alles Profane aus- und auf Himmel umzuschalten. Dieses von-einer-Welt-in-die-andere zu springen fällt mir im Glaubensleben noch am schwersten. Oder ist es für den lieben Gott in Ordnung, dass man zwischen den Hallelujas doch manchmal an Wiener Schnitzel denkt?

 

 

18.2.13

Lieber Papst Benedikt a.D. in spe,

vor genau einem Jahr – es war mitten im Februar und ich weilte in Afrika - hatte ich einen sonderbaren Traum: Ich fuhr mit Ihnen im Auto, Sie waren der Fahrer und ich sass auf dem Beifahrersitz, als der Wagen furchtbar ins Schleudern geriet. Ich rief: „Heiliger Vater, passen Sie auf!“ und war dermassen aufgeregt, weil Sie die Macht über das Fahrzeug verloren zu haben schienen und ich uns gegen eine Mauer rasen sah, dass ich erwachte. An jenem frühen Morgen waren die für Mauritius so typischen Geräusche von draußen zu hören – das Gurren und Krächzen ganz unterschiedlicher exotischer Vögel, das Rauschen des Meeres, der Wind in Büschen und Palmbäumen. Ganz klar stand mein Traum mir vor Augen, aber ich wurde nicht schlau daraus.

Denn ich bin und war Ihnen immer genauso fern wie die meisten anderen Menschen. Ein- oder zweimal bin ich Ihnen persönlich in Bayern begegnet, als Sie noch Kardinal waren. Sie sprachen eindrucksvoll beim Pontifikalamt zum Tod von Franz Josef Strauß, aber ich war damals zu albern und abgelenkt von persönlichen Wirrungen, als dass ich Ihre Worte länger auf mich wirken liess.

Vor genau einer Woche gaben Sie Ihren Rücktritt als Papst bekannt und versetzten die Welt in Staunen. Und setzten auch einen Schlusspunkt unter eine Epoche meines Lebens, die im April 2005 dramatisch ihren Anfang nahm und mit meiner Konversion zum Katholizismus vor vier Jahren einen Höhepunkt erreichte. Seitdem ist mir klar, dass Gut und Böse keine abstrakten Begriffe sind, sondern konträre Mächte, die stark in unsere irdische Existenz hineinspielen.

Ich bin also eine Katholikin Ihres Pontifikats, eine kleine Tochter Ihres Geistes in der katholischen Kirche.

Lieber Joseph Ratzinger, wie Sie bald wieder heißen werden, beten Sie für uns und die Welt, so, wie Sie es versprochen haben. Wir brauchen die Unterstützung aus der klösterlichen Stille, mehr denn je.

 

 

9.2.13

Die Wahrheit in Büchern

In einem Eintrag weiter unten habe ich geschrieben, was ich von Krimis und Thrillern halte – überhaupt gar nichts. Der heutige allgemeine Hype um grausige Stories ist absolut krank.

Das zeigt auch folgender Fall: Im Buch „Der Kreuzworträtselmord“ beschreibt Autorin A. nach über 30 Jahren den Mord ihres damaligen Freundes an einem kleinen Jungen. So menschenverachtend wie das nur eine Zeugin tun kann, die bislang zu feige war ihre Mittäterschaft einzugestehen. Sie hat sogar bei der „Entsorgung“ des toten Kindes mitgeholfen. Jahrzehnte später fällt ihr nicht mehr ein, als endlich ihr Schweigen mit einem Krimi-Buch zu brechen. Der Verlagschef des Sutton Verlags, bei dem das Buch erscheint, meint hierzu: Frau A. habe eine "Grenzerfahrung erlebt. Sie werde fälschlicherweise als Mittäterin hingestellt, sie sei Opfer und habe unter dem Trauma gelitten, dem sie sich nun stelle.  Und ganz wichtig: Die Autorin habe sich im Vorfeld juristisch beraten lassen und sei abgesichert!

Dass da keiner aufschreit... Was ist das für eine Argumentation, für eine Rechtfertigung? Stattdessen hat die "Autorin" fünf Lesungen auf der Leipziger Buchmesse. Soll das die Sache noch anheizen, den Buch-Verkauf steigern? Wenn eine Frau vorgeführt wird, die sich nicht um ein sterbendes Kind gekümmert sondern ihrem Freund damals noch assistiert hat...

Demnächst könnten auf Buchmessen öffentliche Hinrichtungen wie im Mittelalter eingeführt werden, damit die Sensationsgier der Leute befriedigt wird. Und die Millionen-Auflage gesichert ist. Absolut pervers!

 

.

4.2.13

Narren in der Kirche

Es ist der Sonntag bevor Karneval beginnt und ich sehe Clowns, eine erwachsene Pippi Langstrumpf, Piraten und allerlei sonstige Jecken in die Kirche in Köln-Rodenkirchen ziehen. Ich bin darüber erstaunt, erfahre dann aber, dass auch anderswo närrische Heilige Messen gefeiert werden. Wo zwischen Halleluja ein lautes Helau ertönt. Wahrscheinlich sind nicht wenige Gläubige von Messen dieser Art begeistert – vielleicht stellen sie sich so eine moderne, weltoffene, fröhliche Kirche vor.

Am nächsten Tag springt mir ein Artikel in der WELT entgegen: „Katholiken-TV-Chef wird bei Jauch ausgelacht“. In der Sendung hatte der Chefredakteur von K-TV versucht, Stellung zu Fragen wie etwa zur „Pille danach“ und zur Unauflöslichkeit der Ehe zu beantworten. Ernste theologische Angelegenheiten, die vom Publikum im Saal mit Gelächter quittiert wurden.

Zwischen diesem Zeitungsbericht und meiner Beobachtung am Tag zuvor besteht ein seltsamer Zusammenhang: Die Kirche wird im Ganzen nicht mehr ernst genommen, weil sie sich zum Teil selber zum Narren macht. Wer Karneval am Altar feiert darf sich nicht wundern, wenn auch nach Aschermittwoch gespottet und gelacht wird.

 

 

31.1.13

Die Verlagsbranche ist eine Vergewaltigungsbranche!

Ein Artikel heute in „Buchreport“ und die Frage: Wie virulent ist das Problem des Sexismus in der Buchbranche? Dabei kam heraus: "Sexistisches Verhalten gegenüber Frauen geschieht in Verlagen, Buchhandlungen, auf Messen, Autorenlesungen, bei Verhandlungen – eigentlich überall. Die Übergriffe kommen nicht nur von Kollegen und Vorgesetzten, sondern auch von Kunden in Buchhandlungen oder von Autoren gegenüber Verlagslektorinnen oder Pressereferentinnen."

O ja, ich kann ein Lied davon singen... Auf meiner ersten Leipziger Buchmesse 2004 wurde ich von einem Unbekannten im Dunkel der Moritzbastei angequatscht. Er hatte nur eines im Sinn: Mir an die Wäsche. Und – ich liess es zu... Ein paar Tage später. Unsere Tochter ist heute fast acht Jahre alt und ich freue mich, dass ich – um gängige Formulierungen zu benutzen – dazu „vergewaltigt“ worden bin.

.

 

26.1.13

Das brave Brüderle

Die Frau hat einen paradiesischen Namen: Himmelreich. Dann kam der Teufel zu ihr im Kostüm von Rainer Brüderle und wollte sie verführen. Wenigstens machte er Bemerkungen, als stände ihm solches im Sinn. Nachzulesen im aktuellen Stern (5/2013). Aufgegriffen von spiegel.de und kommentiert von Dutzenden empörten Emanzen. Pfui, alle Männer sind Schweine - und dann wackeln sie noch so harmlos wie dieser Brüderle daher!

Vielleicht sollten Mimosen wie Frau Himmelreich nicht Journalistinnen werden oder besser in Mode- oder Klatschressorts verschwinden, wo sie fast nur mit (zickigen) Frauen zu tun haben. Jedenfalls nicht mit über 60jährigen Männern, die mal zotig werden und denen man dann einfach ein paar auf die Finger hauen muss und dann ist es gut. Habe ich etliche Male in meinem Beruf erlebt und noch viel schlimmer, aber nie ein Geschrei bzw. einen Artikel draus gemacht. Wenn man's etwas geschickt anstellt, wird sogar eine Freundschaft daraus und keine Bettgeschichte.

Herrn Brüderle rate ich für das nächste Treffen mit jungen Journalistinnen an der Bar: Brav ins Zimmer gehen, Gebiss raus, ein Nachtgebet sprechen und Augen zu.

 

 

24.1.13

Dreißig Jahre Abitur

In diesem Jahr feiere ich mit fast hundert ehemaligen Mitschülern unser 30jähriges Abitur-Jubiläum. „Verdammt lang her“ könnte man es mit BAP ausdrücken, die wir in ihren Anfängen natürlich damals gehört haben, als Kölsch Rock noch ganz jung war. Und auch wenn es nicht so ganz dem eigenen Musikgeschmack entsprach - Wolfgang Niedecken stammt aus der Severinstraße, in der sich ebenfalls unser Friedrich-Wilhelm-Gymnasium befindet (wieder befindet müsste ich jetzt schreiben, nachdem es durch den Einsturz des Stadtarchivs ausgelagert wurde und letztes Jahr erst ins alte Gebäude zurück ziehen konnte).

Eine Reihe von Mitschülern wird zu unserem Treffen nicht erscheinen und hat sich auch gar nicht mehr gemeldet. Was ich verstehen kann, denn wir waren ein wilder, rauer, teils boshafter Haufen und sind erst in der Oberstufe einigermassen zur Vernunft gekommen. Das hat Wunden hinterlassen und die will mancher vielleicht nicht mehr aufreissen. Aber diese Gymnasial-Zeit gehört zum Leben dazu – obwohl es temporär unerträglich war.

Gestern rief mich mein früherer Mathelehrer an. Er ist nun 88 Jahre alt, hat bei meiner Abschlussarbeit vor dem Abi beide Augen zugedrückt (schließlich war ich ein hoffnungsloser Mathe-Fall) und will bei unserer Feier mit dabei sein. Falls „nichts dazwischen kommt“, wie er sagte. Und ich denke: weil in jedem Leben „etwas dazwischen kommen“ kann, sollten wir feiern solange wir dies können. Und Vergangenes in ein anderes Licht rücken.

 

 

23.1.13

Alles auf Zucker

Am Vorabend der Geburt unserer Tochter saß ich mit medizinballgroßem Bauch in einem Berliner Kino und sah „Alles auf Zucker!“. Nicht nur, dass der Film mir sehr gefiel, sein Titel konnte auch als Motto für meine Schwangerschaft herhalten. Und wenn ich ehrlich bin... dann war mein ganzes bisheriges Leben voll auf Zucker. Der Durchschnitt eines Tages enthielt zwei Nutella-Toasts, eine Tafel Schokolade, Croissants oder Gebäck, manchmal Kuchen, auf jeden Fall süße Joghurts, ab und an noch Extras in Form von Fitmach-Riegeln, Eis, süßem Nachtisch. Die Fastenzeit ausgenommen fütterte ich mich beständig mit Naschwerk. Da man mir diese Sucht nicht auf den ersten Blick ansieht und ich die schleichenden Folgen kaum bemerkte, gab es keinen Grund aufzuhören.

Endlich - vor ein paar Wochen - rebellierte mein Verdauungstrakt. Es folgten martialische Migräne-Anfälle, ein Gefühl von Übersattheit stellte sich ein, ich wurde lethargisch, missgelaunt und fühlte mich in meiner eigenen Haut nicht mehr wohl. Nun habe ich alles auf Null gestellt – nichts Süßes mehr und auch harmlos wirkende Lebensmittel prüfe ich auf versteckte Zuckeranteile. Und stelle fest: Es gibt kaum etwas ohne süßen Zusatz. Alles auf Zucker eben.

 

 

22.1.13

Richard

Ich hasse Krimis, aber ich mag einen Mörder. Und er ist noch nicht einmal ausgedacht, sondern echt und sitzt in Florida, USA, und wartet auf seine Hinrichtung. Richard schreibt feinsinnige Gedichte, zeichnet Blumen und Landschaften, die aussehen wie Tatoos auf Papier, und sendet anteilnehmende Briefe an uns, seine „German family“. Er freut sich über jede Nachricht von uns, denn wir sind sein Fenster zum Leben. Von seiner fensterlosen Zelle aus kann er nicht mal den Himmel sehen und er geht kaum mehr nach draußen auf den Hof, weil er irgendwie ängstlich geworden ist. Wir würden ihn auch im Knast besuchen, doch das will er nicht, wahrscheinlich fürchtet er sich vor den eigenen überbordenden Emotionen.

Kaum zu glauben, dass dieser sensible Mann vor fast zwanzig Jahren eine junge Mutter umgebracht hat – aber ich habe ein Foto von ihm gesehen, aufgenommen auf der Polizeistation ein paar Stunden nach der Tat, und da hatte er noch diesen bestialischen Ausdruck im Gesicht, der einen schon beim kurzen Hinschauen erschaudern lässt. Was fährt in einen Menschen, wenn er Böses tut? Welche Macht kommt über ihn und lenkt ihn für Minuten oder Stunden, dass er Dinge tut, die er sich später selbst nicht mehr erklären kann?

Diese Frage interessiert mich weit mehr, als das Nachlesen von Tatverläufen und grausamen Details in Thrillern. Man darf auch nicht vergessen: Mit dem Lesen wird man zum Zeugen, nicht nur der Handlung, sondern man wird auch Zeuge der Gedanken, Motive und seltsamen Neigungen des Mörders. Man wird ein Teil davon, ein Teil Mörder, wenn auch nur virtuell. Deshalb mag ich keine Krimis. Der echte Mörder, Richard, ist längst selber Opfer geworden. Opfer seines eigenen Irrsinns oder was auch immer ihn zu seiner Tat gedrängt hat. Das ist keine Entschuldigung für ihn, sondern Einsicht. Er weiß es selber nur zu gut.

 

 

8.1.13

Lieber Herr Bundespräsident a.D.,

ich kenne Sie nun seit zwanzig Jahren aus unserer gemeinsamen Zeit in Hannover – Ihr Konterfei klebte damals auf Plakaten überall in der Stadt, denn Sie forderten als CDU-Jungspurt den damals unschlagbaren Gerhard Schröder heraus. Natürlich siegten Sie bei der Landtagswahl 1994 nicht, aber dieser Goliath-Kampf sollte Sie künftig zu einem bundesweit beachteten Nachwuchs-Politiker machen. Ich bewegte mich fern von diesen politischen Fehden, fand aber beim Durchqueren der Landeshauptstadt Ihr unaufdringliches und noch etwas naives Juristen-Gesicht sehr sympathisch. Damals war ich mit einem wilden Ungarn verheiratet und dachte klammheimlich, dass ich mit einem Typ wie Ihnen wahrscheinlich besser gefahren wäre. Sie verströmten diese bürgerliche Sicherheit, die man auch in Bonn-Bad Godesberg findet.

Als ich 1994 nach Berlin zog, verlor ich Sie aus den Augen, fand es aber beachtlich, als Sie 2003 Ihr Ziel erreicht hatten: nämlich Ministerpräsident von Niedersachsen zu werden. Dass Sie sich ein paar Jahre später von Ihrer ersten Frau trennten überraschte mich insofern, als Sie eher der Mann sind, der eine längst brüchige Partnerschaft bis ultimo erduldet.

Gestern wurden Sie verlassen. Daran gibt’s nicht zu deuteln – das schmerzliche, ungewollte Abschiednehmen ist seit Monaten an Ihrem Gesicht, Ihrer Haltung, auch an Ihrem Rückzug aus der Öffentlichkeit abzulesen. Wahrscheinlich ahnte etwas in Ihnen bereits an jenem Februartag 2012, als Sie ihren Rücktritt als Bundespräsident bekannt gaben, dass die Liebe Ihrer zweiten Frau, die bei der Gelegenheit aus Selbstdarstellungsgründen demonstrativ Abstand nahm, mit dem Amtsverlust verlustig ging. Diese mehr und mehr reifende Erkenntnis muss Ihre Seele mehr zermürbt haben als der äußerliche Machteinbruch. Offen gesagt: das haben Sie nicht verdient. Das hat niemand verdient, der ehrlich liebt. Und ich nehme Ihnen Ihre ehrliche Liebe ab, auch wenn es in der gesamten Geschichte viele Ungereimtheiten gab. Erhalten Sie sich dieses ehrliche Gefühl in einem neuen Leben, fangen Sie von vorne an, wieder in Hannover, das Ihnen viel besser getan hat als das enervierende Berlin!

 

 

22.12.12

Der ausgefallene Weltuntergang

Es ist Samstag, der 22.12.2012, und die Welt steht noch, dreht sich, die Sonne geht auf und unter, der Mond war am gestrigen Abend hinter leichten Wolken zu sehen und es wird weiter über solchen Unsinn wie „das Gott“ diskutiert. Meine Tochter hat ihre Überlebens-Höhle endlich abgebaut und ich hoffe insgeheim, dass alle Esoterik-Buchläden dicht machen. Seit mindestens 15 Jahren verfolgen mich hartnäckig die Prophezeiungen zu diesem selbst gebastelten Doomsday, dessen Ursprung den Maya angedichtet wird, es gab Bücher dazu, hysterische Frauen, Selbstmord-Androhungen. Die Wahrheit ist: Nichts geschah! Oder...? Nein, stimmt nicht... Zur Mittagsstunde kamen zwei Engel an meine Tür in der Gestalt von Handwerkern – als sie klingelten, wollte ich erst nicht aufmachen, da ich mit meinen Kindern kopflos durch die Wohnung rannte und nach meinem Portemonnaie suchte. Meine Rechnung an der Tankstelle hatte ich nicht begleichen können, weil ich dort mit Herzklopfen feststellte, dass ich kein Geld dabei hatte und also nach Hause zurück kehrte (nicht ohne ein Pfand zu hinterlassen). Während ich in Gedanken schon die Nummer der Kontensperrung wählte, schrillte die Wohnungsglocke. Zwei Männer hatten meine Geldbörse auf der verregneten Straße aufgelesen und mein Ausweis-Foto mit meinem Gesicht verglichen, als ich Minuten später hektisch von der Tankstelle angebraust kam - sie machten mir damit ein riesiges Vorweihnachts-Geschenk. Der liebe Gott möge es ihnen danken und die Welt noch eine Weile stehen lassen. Egal, ob er nun der, das oder die Gott ist...

PS: Ich sage auch weiterhin Neger, Negerkönig, negativ.

 

 

28.11.12

Yoga und Katholizismus

Bevor ich in Afrika mit meiner täglichen Arbeit beginne, mache ich entweder Yoga oder/und ich lasse mich in das samtweiche Wasser der Indischen Ozeans fallen und umarme mit meinen Schwimmzügen die Welt. Das erfüllt mich mit unermesslicher Kraft.

Die hiesige Yogalehrerin ist eine kleine, drahtige, schon etwas ältere Inderin mit den Gesichtszügen einer klugen Schildkröte. Neulich erzählte ich ihr, dass ich eine lange Weile Yoga nicht praktiziert habe, weil ich es mit meinem katholischen Glauben nicht zusammen bringen konnte. Und auch, weil einige konservative Priester es ablehnen und mir grundsätzlich davon abgeraten haben. Für sie ist Yoga ein Bestandteil des Esoterik-Trends, was teilweise stimmt. In Deutschland traf ich eine Reihe selbsternannter Yogis, die „höhere Einsichten“ durch Beinwackeln in der Luft anstreben. So etwas ist totaler Nonsens.

Aber die ursprüngliche Form von Yoga hat mit dem ganzen spukigen Zeugs heutzutage rein gar nichts zu tun – Positionen wie Hund, Baum, Taube etc. sind der Natur entlehnte Haltungen, die uns eine natürliche Energie lehren und (zurück) geben.

Meine Yogalehrerin hier konnte meine Pausieren aus religiösen Gründen dennoch gut verstehen, nachdem ich konvertiert bin. Ich war einfach unsicher geworden. Es war dann mein Körper, der mir klar machte, dass ich einen Mittelweg finden müsse – durch die fehlende Praxis der Übungen wurde ich steifer und ungelenkiger, auch mit anderen Sportarten war das nicht wett zu machen. Wenn ich mich also nun allmorgendlich katzenartig dehne und strecke, in der Krokodil-Position ausruhe und wie ein Baum verharre, dann soll ich das als „Way of Life“ ansehen, so der Rat meiner Yogalehrerin. Und nicht etwa als Konkurrenz zu meinem Glauben. Ich denke, so werde ich es annehmen.

 

 

27.10.12

Im Welli-Fieber

Wir besitzen 5 ½ Wellensittiche, der Halbe ist ein kleiner sogenannter „Renner“, dessen Schwanz- und Flügelfedern einmal ausgefallen sind und nicht mehr nachwachsen. Dieser Welli heißt ausgerechnet Bella, obgleich er recht zerrupft aussieht und das schlimmste Vogel-Schicksal erleidet: Er kann nicht fliegen. Wir lieben diesen Küken-Vogel dennoch und ganz besonders, weil er zahm geblieben und immer wieder auf unsere Hilfe angewiesen ist, wenn er eins ums andere Mal irgendwo runterfällt und wir ihn mit unseren Händen auffangen müssen.

Mitten in unserem Wohnzimmer ereignet sich nun ein kleines Wunder: Denn unsere schönste Welli-Dame, Flora, brütet und hat bereits zwei Eier gelegt. Nun laufen Wetten bei uns, wie viele Eier es insgesamt werden und welche Farben die Nachkommen dieser grünen und gelben Prachtvogel-Eltern haben werden. Jedenfalls haben wir uns total auf die neue Situation eingestellt: Klavier wird nur noch gedämpft gespielt, der Staubsauger auf niedrigste Stufe gestellt, der Fernseher bleibt wenn möglich aus (außer für die Geissens!).

Die einzige, die mit dem Brut-Pärchen im Käfig bleiben durfte, ist Bella. Alle anderen Wellis mussten raus, da sie zu lebhaft und aggressiv geworden sind, sie übernachten sogar draußen auf dem Käfigdach. Während ich dies schreibe, ist das 3. Ei gelegt worden, ich habe eben zwischendurch ganz leise in den Brutkasten geschaut. Ja, ein Wunder ist das!

 

 

23.10.12

Iris Berben und Gevatter Tod

Die allseits beliebte, bewunderte und für ihre scheinbar unvergängliche Schönheit von vielen Frauen beneidete Schauspielerin Iris Berben (62 J.) äußerte sich jüngst in einem Interview so töricht, dass ich ihre Worte hier wiederholen muss. Es ist ein Beispiel für anmaßendes Jugend-Denken in einem reifen Alter, es ist die Überzeugung, dass wir heute über fast alles selbst bestimmen können, weil wir die Technik dafür haben, die Medizin, die Schönheits-Operateure und und und. Hier also ihre Antwort auf die Frage, wie sie denn Alter und Tod begegnet:

Ich mag mich gegen den Tod auflehnen und ihm sagen, dass überhaupt kein Platz für ihn in meinem Leben ist.

Wie machen Sie das?

Leben! Leben! Leben! Ich knall dem Tod so viel Leben gegen den Latz, dass ich denke, er muss es doch jetzt begreifen. (Bunte 43/12)

Diese dümmliche Arroganz ist ein Schlag ins Gesicht für alle Kranken und Todgeweihten, die bis zum äußersten, aber vergeblich ums Leben kämpfen und darüber verzweifeln– vielleicht, weil sie kleine Kinder haben, die sie zurücklassen müssen. Setzt sich Frau Berben nicht medienwirksam für die Juden ein und ihr Schicksal im Holocaust? Was hätten denn die damals dem Gas-Tod vor den Latz knallen sollen – Leben, Leben, Leben? Das ist doch eine zynische Haltung von Frau Berben, wenn man sich wie sie für Menschen engagiert, deren Vorfahren so brutal dem Tod ausgesetzt waren.

 

 

8.10.12

Was die 68er und Alice Scwarzer nicht schafften, erledigt das Internet

Fast jede Frau, mit der ich ins Gespräch komme, klagt über ihren Lebenspartner, Freund, Sohn, also über die Männer insgesamt. Sie seien nervig, schwach, desinteressiert, unkooperativ, bindungs-unwillig und würden ihnen, den Frauen, alles überlassen. Naja, ist was dran, wenn man sich das Heer an Nerds und Junkies anguckt, die mit ausgebeulten Hosen, Dreitagebart und Stoffschuhen durch die Straßen schlurfen.  Zu ihrer Verteidigung muss man sagen, dass sie mehr als vierzig Jahre deutsches Umerziehungslager hinter sich haben, wo ihnen von Müttern, Erzieherinnen, Lehrerinnen und Ehefrauen eingebleut wurde ihre weiche Seite zu zeigen, verständnisvoll und partnerschaftlich zu sein, und dass in Wahrheit die Frau der Chef ist. Nach Emanzen-Welle und Alice Schwarzer ist nun DAS übriggeblieben. Warum also schimpfen? Zumal das Internet den Rest erledigt: Da verschanzen sich die Männer nun, ballern bei Warcraft was das Zeug hält, weil sie keine Lust mehr auf Familie, schwierige Frauen und Kindergeschrei haben, während die Bars und Kneipen voll von frustrierten Frauengruppen sind. Entweder wir denken um oder wandern nach Osteuropa aus, wo die Männer ihre Frauen noch so behandeln wie bei uns in der Kaiserzeit.

 

 

17.9.12

Der Bettina-Wulff-Effekt

Ich bin keine Freundin, kein Fan, auch keine Symphathisantin unserer früheren First Lady. Sie hat einiges verkehrt gemacht, vor allem falsche Freundschaften gepflegt - aber darüber ist genügend geschrieben und geurteilt worden.

Eines aber kann ich bezeugen: Es gibt den Bettina-Wulff-Effekt, das ist ein Vorurteil und die sofortige Abwertung großer, blonder und selbstbewußt wirkender Frauen, was bis zu Hass und abnormer Bosheit führen kann. Patricia Riekel schreibt dazu in BUNTE (38/2012): "Aber sie ist dieser Typus Frau, der alle Pfeile auf sich zieht, die der Bewunderung, aber auch die der Missgunst."

Es gibt Tage, da wünsche auch ich mir kleiner, unauffälliger und ein wenig leiser sein zu können - dann wäre ich beliebt, hätte viele Freundinnen und weniger Missstimmung in meinem Leben.

Bettina Wulff polarisiert schon durch Aussehen und Auftreten extrem, insofern hätte jeder Frau gleichen Typs ähnliches passieren können: Dass über sie gehetzt, Böses verbreitet und ihr Ruf zunichte gemacht wird. Sie kann fast gar nichts dagegen tun. Das ist das schlimme. Ich hätte ihr also geraten zu schweigen. Und zu ertragen. Wenn ihre Wahrheit stimmt, dann hat sie mit ihrer Version nur diejenigen mehr gegen sich aufgebracht, die Lügen über sie anonym verbreitet haben. Ihr Rückzug jetzt sieht nach totaler Kapitulation aus. Es ist zu hoffen, dass dies nicht noch Schlimmeres n